Auf dem Weg zur Toilette bewusst die Füße auf dem Boden spüren oder zwischendrin einfach mal tief ausatmen und den Kiefer lockern, wenn ich merke, dass ich mich an etwas festbeiße: Mein Körper hilft mir oft schon automatisch, wenn es im Kopf mal wieder klemmt.
Genauso oft stecke ich aber chronisch fest in klebrigen Gedankengebäuden, Lieblings-Ärgernissen und weniger konstruktiven inneren Haltungen.
Da es gegebenenfalls bis zur Erleuchtung, aka dem ultimativen Lösen von dem ganzen Krempel, noch ein paar Inkarnationen dauert, schreibe ich mir für 2026 mehr Körpereinsatz auf die Fahnen.
Denn die besten Ideen für meine Workshops besuchen mich beim Tanzen. Die besten Blogartikel schreibe ich im Stehen, wenn ich zwischendurch mit meinen Gedanken gehen und mit meinem Körper rumkaspern kann. Und das stille Glück begegnet mir in sanfter Bewegung und körperlicher Verbindung mit der Natur.
Radical Embodiment, die bewusste Entscheidung für mehr Spüren – Erleben – Sein, ist also das Motto für 2026. Ich will auf der „Tool-Ebene“ mehr spielen damit und mehr unter die Leute bringen. Vor allem will ich aber mehr „Being“ einladen in meinen Alltag. Mehr ganz sein, mehr hier sein, mehr Sein. Wie das genau aussehen kann, ist mir noch nicht ganz klar. Es ist – wie alles andere auch – ein Forschungsauftrag. Nur eines weiß ich jetzt schon mit Gewissheit: Viel von der Zeit, die ich mit meinem Smartphone verbringe, trägt nicht dazu bei!
Was das alles im Detail heißen kann und warum mich das gleichzeitig in ein Dilemma bringt, fasse ich in diesem Blogartikel zusammen!
Radical Embodiment: Wie ich dieses Motto 2026 mit Leben füllen werde
Das Motto kam mir bei den Aufnahmen zum Embodiment Adventskalender, meiner Dezemberaktion 2025. Irgendwo zwischen der unbändigen Freude beim Tanzen am Strand und der erfolgreichen Abwehr von zwei Hunden allein durch meine Körperhaltung (das Ganzkörper-Nein!) dämmerte es mir, was für einen Schatz von Erfahrung und Anwendungen ich mit mir herumtrage. Und wie viel Spaß es macht, damit zu spielen.
Also, ich will mehr davon und zwar in 3 verschiedenen Geschmacksrichtungen:
1. Den Reichtum erforschen, mit Techniken spielen
Gefühlt habe ich in den vergangenen 15 Jahren Hunderte Körper-Atem-Meditations-Visualisierungs- und Spürübungen durchlebt. Ideen und Impulse aus Yoga, Tanz, Improv, Authentic Relating und ach, den verschiedensten somatischen Methoden. Sie tummeln sich in der Kramschublade meines Körpers und wollen erforscht und ans Licht gebracht werden!
Denn es geht ja gar nicht ums Sammeln und „Auch-Mal-Gemacht-Und-Verstanden-Haben“. (Ach was!) Es geht darum, dass es tiefer rutscht, dass es im Körper landet, dass ich ver-körpere, womit ich in Resonanz gehe. Und das geht am besten durch machen. Nicht lesen, hören oder sehen, sondern mit dem Körper machen, am besten öfters.
Ideen:
- 2-3 x die Woche morgens eine Haltung für den Tag verkörpern und im Laufe des Tages immer wieder darauf zurückkommen.
- Wenn sich das Gedankenkarussell lustig dreht oder sonst etwas quer sitzt, spielerisch experimentieren, welche Art Körpereinsatz Erleichterung verschafft.
- Bei meinen vielen Ortswechseln und Reisen durch verschiedene Länder, Kulturen und Klimazonen die Wechselwirkung zwischen Umgebung und Embodiment erforschen.
Die Forschungsergebnisse teile ich im Blog. Das Format wird sich entwickeln, vielleicht eine spezielle Form der Monatsrückblicke. Es hier so aufzuschreiben, möge mich dabei unterstützen auch ins Tun zu kommen!
Ich will es auf jeden Fall so spielerisch, wie es bei meinem Embodiment Adventskalender war. Es darf Spaß machen und Neugier wecken. Ein bisschen ist es so, wie fließender zu werden in einer neuen Sprache: Neben dem reichhaltigen passiven wird der aktive Wortschatz vergrößert, heißt das Bewegungs- und Haltungsvokabular wächst und ist präsenter in den Momenten, wo es Not tut.
2. Embodiment greifbar, anfassbar, erlebbar machen
Das Problem mit „Embodiment“ ist, dass aktuell kaum jemand etwas damit anfangen kann. Yoga? Klar. Feldenkrais? Schon mal gehört. Tanz? Ich war mal in der Disco, als ich jung war. Aber Embodiment? Es ist nicht nur unbekannt, der Begriff kann außerdem verschiedene Dinge meinen.
Embodiment, direkt übersetzt „Verkörperung“ , ist neben der menschlichen Zustandsbeschreibung auch ein interdisziplinärer Forschungsbereich und eine aktive Praxis. (Mehr dazu schreibe ich in meinem Blogartikel Was ist Embodiment?)
Wann immer ich nun Menschen mit Embodiment als Praxis in Kontakt bringe, sind die Rückmeldungen super-positiv und überrascht zugleich – wie nach meinem Embodiment-Adventskalender:
„Faszinierend, wie direkt Körperarbeit wirkt. Für mich waren es viele Impulse, die sehr praktikabel und wirksam sind“ , schrieb mir eine Teilnehmerin.
Eine andere: „Vielen Dank für Deinen Adventskalender. Ich merke immer wieder, es gehört gar nicht so viel dazu, um mich mehr zu spüren, bei mir zu sein. „
2026 will ich deshalb gerne mehr von diesen sehr konkreten Impulsen teilen, Embodiment erlebbarer machen und das Wort in seiner Bedeutung als Praxis mit Leben füllen.
Wie schon im Adventskalender wird es dazu neue Übungen geben – als Video oder Audio, manchmal auch einfach als Text. Sie werden Ausdruck meiner eigenen Forschungsreise sein, also kein vorgeplanter Kurs o.ä.. Versenden werde ich sie hauptsächlich über meinen Newsletter, der maximal 1-2 x im Monat erscheint. (Und manchmal gar nicht, wenn ich eine längere Reise leite und wieder zwischen den Welten hin- und herpendele.)
Trag dich ein, wenn du selbst Lust hast auf Embodiment-Impulse und noch nicht Teil meiner kleinen Community bist:
3. Mehr HIER sein, im Körper sein
Genau so habe ich meine Intention für 2026 in mein Journal geschrieben: Mehr HIER sein, mehr im Körper sein. Man könnte meinen, ich bin das schon und mache das schon. Schließlich habe ich sogar meine Yoga & Embodiment-Unternehmung „Reisen ins Hier“ genannt.
Aber zum Einen bieten wir ja alle immer das an, was uns selbst am meisten beschäftigt und zum anderen haben die letzten Jahre ganz neue Endgegner aufs Spielfeld des Lebens gebracht: Social Media und generell eine suchtartige Smartphone- und Mediennutzung. Absolute Killer für Ver-körperung, im Körper sein, ganz sein und HIER sein.
Ein großer Teil des Lebens findet heute gefühlt im digitalen Raum, also im Kopf, statt. Außer Augen, Gehirn und dicke Daumen brauchen wir dafür nix von unserem Körper. Und es macht nicht den Eindruck, als würde es demnächst eine Trendwende geben. Mehr Gedanken dazu habe ich in diesem Blog formuliert: Warum Embodiment gerade heute so wichtig ist
Dieses Jahr will ich das berühmte Hier & Jetzt häufiger mit meiner Präsenz beehren. Denn nur genau hier und genau jetzt findet das Leben statt. Da wo der Atem ist und da wo die Füße auf dem Boden stehen. Punkt 1 und 2 in dieser Liste unterstützen diesen Plan. Außerdem darf ich aber mal einen guten, langen Blick auf die Art und Weise werfen, wie ich mein Smartphone nutze.
Die ersten 8 Tage vom neuen Jahr waren vielversprechend: Mehr Insight Timer und DuoLingo, weniger Comedy-Reels und politische Statements zu dem Wahnsinn der ganzen Welt. Das darf so weitergehen.
Schon vergangenes Jahr habe ich verschiedene Strategien probiert (vor allem simples Deinstallieren und Zeitlimits). Sehr gerne nehme ich sachdienliche Hinweise und weitere Ideen entgegen. Denn die (sozialen) Medien stehlen unseren Fokus und es hat System! (Sehr gut erklärt Johann Hari das in seinem Buch „Abgelenkt“. Leseempfehlung, falls das ein Thema von dir ist! Eine Rezension habe ich bei kaffeeringe.de gefunden.)
Radical Embodiment heißt deshalb auch radikaleres Management meiner Aufmerksamkeit. Spüren – Erleben – Sein: Das soll im Mittelpunkt des neuen Jahres stehen. Yeah!
Das Embodiment-Tool-Dilemma
Das Lustige an der ganzen Embodiment-Tool-Sache und ihrer Wirksamkeit ist, dass sie mich direkt in eine Reihe von Widersprüchen führt, über die ich gerne an anderer Stelle mal ausführlicher reflektieren möchte. In aller Kürze seien sie aber hier der Vollständigkeit halber erwähnt:
- „Im Hier & Jetzt Sein“ geht viel mehr über Nicht-Machen oder rückgängig machen als über neu Machen. Jede Art von Technik oder Methode kann also immer nur dazu dienen, günstige Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.
- Die direkte Erfahrung, die eine rein somatische Praxis in Körper und Geist einlädt, ist streng genommen nicht reproduzierbar. Sie ist hoch individuell und von vielen verschiedenen auch äußeren Bedingungen abhängig.
- Ich bin absolut kein Fan von ständiger Selbstoptimierung. Das Narrativ der Besser-Ich-Industrie, dass dies nötig sei, hält uns alle in einem Mangel, der nicht real ist, aber Verkaufszahlen fördert. Embodiment als Praxis lässt sich einfach dafür instrumentalisieren.
Ich will Embodiment bewusst als Methoden-Sammlung nutzen, um zu entdecken, was alles da ist (im Innen und Außen) und was davon mir mein Menscheln leichter und freudvoller macht und was vielleicht einfach nur liebevolle Zuwendung braucht.
Lust auf Radical Embodiment?
Sehr gerne würde ich hübsche Bildchen und Videos auf Insta und Facebook posten, um die Welt an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Es harmoniert nur nicht so gut mit Punkt 3 meiner Liste.
Deshalb: Wenn du mit mir zusammen auf die Reise ins Hier gehen möchtest, abonniere am besten meinen Newsletter:

Liebe Simona,
was für ein großartiges Motto und ein so wichtiges Thema – ich stimme dir voll und ganz zu: Gerade in der immer digitaler werdenden Welt werden Embodiment und das „im Hier und Jetzt sein“ – nicht nur gedanklich, sondern eben auch physisch – immer wichtiger.
Ich hab gerade richtig Lust bekommen, mir für morgen eine Haltung des Tages vorzunehmen. Danke für deine Impulse.
Liebe Grüße
Danielle
Hallo liebe Danielle,
Danke für deine Zeilen und wie schön, dass der Beitrag dir einen Impuls mitgegeben hat!
Schöne Grüße
Simona
Ich habe den Artikel mit einem Lächeln gelesen und mit dem Gefühl, dass mein Körper beim Lesen schon zustimmt. Und tatsächlich: Erfahrungen lassen sich nicht absichtlich reproduzieren: sie sind eben so, wie sie nun einmal gerade sind!
Als Coachin im neurodivergenten Spektrum erlebe ich regelmäßig, wie viel sich verändert, wenn wir aus dem Kopf ins Spüren finden und wie wertvoll es ist, auch unseren Gedanken nachzuspüren: Hebt das, was ich gerade denke, meine Energie an oder löst es körperlichen Stress aus?
Und wie fühlen sich verschiedene Szenarien, in einer Angelegenheit zu entscheiden, in meinem Körper an?
Embodiment bringt beides wieder zusammen, und deine bildhafte, phantasiereiche Sprache macht das erstaunlich leicht zugänglich. Danke dafür – und viel Freude auf deiner Embodiment-Reise. Ich reise gerne mit!
Liebe Hanna,
Wir sind anscheinend auf dem selben Weg. Der Wirkung von Gedanken, Emotionen und Handlungen im Körper nachzuspüren, ist wirklich der erste wichtige Schritt. Und so aufschlussreich.
Danke für’s Mitreisen.
Liebe Grüße
Simona