Meinen ersten Kontakt mit Embodiment hatte ich im April 2020. Es war ein Online-Kurs von „Embodiment Unlimited“. Einfache kleine Übungen und Haltungen für den Alltag, unter anderem zum „Centring“, also wieder „in meine Mitte kommen“. Es war Pandemie und ich hatte Bedarf. Ich war schock-verliebt.

Das Zusammenspiel von Körper und Geist war mir spätestens seit meiner Yogalehrerinnen-Ausbildung im Jahr 2013 klar. Aber wie vielfältig und wirksam ich mit meinem Körperausdruck, mit Haltungen, Gesten und Bewegungen meine Gefühle, Stimmung und Verhalten beeinflussen kann, war mir vorher nicht klar.

In diesem Beitrag habe ich mal 5 Gründe gesammelt, warum ich seither Embodiment liebe.

Wenn du Lust hast, selbst die Wechselwirkung von Körper und Geist durch Embodiment zu erforschen, empfehle ich dir meine Mini-Challenge „Neustart mit Körperweisheit“:

1. Embodiment = Fake it, until you make it

Auch ohne dass wir Schauspieler sind, haben unsere Körper ein riesiges Repertoire an Haltungen und Bewegungen. Manche schlummern, weil wir sie selten ver-körpern oder weil das letzte Mal sehr lange zurück liegt. Sowas wie die Siegerpose, wenn man den Marathon überlebt oder eine wichtige Prüfung besteht. Oder der Hopserlauf meines 5-Jährigen Ichs.

Zusammen mit jeder Verkörperung, also dem „Embodiment“, erlebe ich etwas in mir drin: Freude und Stolz in der Siegerpose, Leichtigkeit und Übermut, wenn ich wieder einmal hopse. Und das erinnert mein Körper gleich mit.

Das Spannende: Das Gehirn weiß nicht, was zuerst da war – das Gefühl und dann der Körperausdruck oder umgekehrt. Das können wir nutzen für den ultimativen Life Hack. Mach zum Beispiel einen Hopserlauf im Büroflur für mehr Leichtigkeit und stärke dich in einer Bewegungspause mit einer Power Pose. Die Info für dein Gehirn ist die Gleiche: „Wir sind anscheinend gut drauf, also raus mit den körpereigenen Glückshormonen.“

Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy hat diesen Effekt für „Power Posing“ („Machtposen“) erforscht. Aber es gibt noch viel mehr gute Ausdrucksformen unseres Körpers, die unser inneres Erleben positiv beeinflussen können. And I love it!

Kleiner Disclaimer: Damit die Haltung wirklich mein Inneres erreicht, sollte ich sie ohne Ablenkung für mindestens 2 Minuten einnehmen.

2. Mit Embodiment wird mein Körpergefühl zum „Instinktometer“

Allein durch meine Haltung und mein Körpergefühl, weiß ich, was ich von einem Ort halte, wie es mir in einer Situation geht und wie ich zu einer anderen Person stehe. (Wie ich zu etwas stehe, ist selbst schon die Beschreibung einer Körperhaltung – ich stehe in einer bestimmten Weise da!)

Wenn ich also mitkriege, was in meinem Körper passiert, bekomme ich ziemlich viel Information ohne nachzudenken. Die Körperreaktion ist 2 bis 10 Mal schneller als die bewusste Verarbeitung von Ereignissen. Der Körper spannt sich an, der Herzschlag beschleunigt sich, lange bevor ich bewusst weiß, warum!

Anspannung schlägt sich direkt in der Haltung nieder, so dass ich an meinem Körperausdruck, meinem Embodiment, ablesen kann, was grade los ist. Irre, oder?

Als „Trockenübung“ hilft mir der Körper als „Instinktometer“ wie ein Diagnose-Tool herauszufinden, was jetzt gerade dran ist. Mit dieser faszinierenden Eigenschaft spielt meine kleine Embodiment-Reihe Neustart mit Körperweisheit.

3. Embodiment zeigt mir, was alles in mir steckt!

Der dritte Grund, warum ich Embodiment liebe, ist dass es mir gezeigt hat, was alles in mir steckt. Lange verschütt‘ gegangene äußere und innere Haltungen habe ich bei der Arbeit mit verschiedenen Posen wiederentdeckt.

In der Haltung der Selbstumarmung habe ich eine Zuwendung zu mir selbst gefunden, die ich lange nicht in dieser Form gelebt habe. Und auch eine Haltung, die Sinnlichkeit repräsentiert, war mir nach längerer Single-Phase nicht mehr geläufig und hat sich so gut angefühlt im ganzen Wesen.

Besonders stark war aber das Üben eines Ganz-Körper-Neins. „Nein“ kommt mir sonst eher schwer über die Lippen – mit Körperunterstützung hat es sich richtig echt und vollwertig angefühlt!

4. Archetypen des Embodiment verbinden die Menschheit

Wenn ich im Embodiment mit Haltung und Bewegung arbeite, komme ich oft an etwas ganz Allgemeingültiges heran. An Urformen und Muster, die alle Menschen in ihrem tiefsten Innern kennen und die sie spannenderweise auch über Kulturen und Kontinente hinweg sehr ähnlich mit dem Körper ausdrücken.

Es sind Archetypen, die uns alle verbinden, Denn die Menschen sind gar nicht so unterschiedlich, wie uns manche soziale Narrative glauben machen wollen. Am Ende des Tages haben wir alle dieselben Bedürfnisse und sehr ähnliche Ausdrucksformen!

In Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung gibt mir das Hoffnung.

5. Ich LIEBE die Embodiment-Tools für jeden Tag & zwischendrin

Embodiment gehört zum unglaublich weiten Feld der Somatik, das ich seit einigen Jahren für mich beforsche. Ein sehr lohnender, aber durchaus längerer Prozess. Somatische Methoden sind definitiv die Grundlage dafür, dass ich mit meinem Embodiment wirklich tief gehen kann.

Aber für jeden Tag und zwischendrin lassen sich viele kleine wertvolle Tools aus dem Embodiment ableiten – wie das Centring von „Embodiment Unlimited“ oder das Power Posing von Amy Cuddy.

Ich liebe Yoga und ich liebe eine ganze Reihe anderer somatischer Methoden. Aber am Embodiment liebe ich besonders, dass es mir kleine Life-Hacks mitgibt, die mich im Alltag unterstützen können.

Was magst du an Embodiment? Sind dir schon einzelne Übungen oder Haltungen aus dem Feld begegnet? Schreib mir gerne, was du schon kennst!

  • Danke für diesen schönen Beitrag! Ich finde besonders toll, dass schon kleine Embodiment-Übungen eine große Wirkung haben können. Und Punkt 4 gibt mir auch Hoffnung, danke!! Die Power-Pose kenne ich, wusste aber nicht, dass man sie zwei Minuten halten sollte. Danke für diesen Hinweis! Eine Sache, die ich bei mir und anderen immer wieder beobachte: Wenn ich einen Smiley sehe, lächle ich automatisch. Gehört das eigentlich im weitesten Sinne auch zu Embodiment, wenn man das bewusst für sich nutzt?

    • Hallo Cindy,
      super, dass du schon etwas aus dem Bereich Embodiment kennst! Ja, tatsächlich braucht es etwas Zeit, bis wir mit unserem abgelenkten Verstand voll in einer Haltung ankommen und ihre Wirkung spüren. Das gilt schon beim Yoga: In klassischen Yogastilen halten wir die Asanas deswegen auch gerne bis zu 2 oder 3 Minuten, im Yin Yoga noch länger.
      Und du hast in gewisser Weise recht mit dem Smiley. Eine regelrechte Embodiment-Übung dazu wäre, sich selbst im Spiegel anzulächeln. 30 Sekunden bis 1 Minute bewusstes Lächeln können schon messbare Effekte auf Stimmung und Stress haben. (Es gibt Studien dazu!) Aber auch hier gelten 2 Minuten als optimale Dauer der Übung für eine spürbare Aufhellung des Gemüts.
      Spannend, oder?
      Liebe Grüße
      Simona

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