Mein März war dicht gepackt mit einer Jobübergabe, einer intensiven Reiseleitung in Vietnam und meiner Rückkehr nach Berlin nach 5 Monaten Winterquartier in Südostasien. Mein privates Forschungsprojekt „Radical Embodiment“, das ich in diesen Rückblicken jeden Monat auswerte, ist dabei stark zusammengeschrumpft. Auf die Frage, ob und wenn wie ich Pausen in Phasen intensiver Belastung gestalte und wie ich verdaue, was ich erlebe.
Es sind Fragen, die zu den Jahreszeiten als Modell für die Art, wie wir Dinge angehen, passen. Kurz gesagt skizziert es Beginn – Höhepunkt – Abklingen und Ende (=Pause) als Landkarte für allerlei Zyklen des Lebens. Das Thema war genau jetzt Teil des Curriculums in meiner Embodiment Coaching-Ausbildung. Motivation genug, einen Blog-Artikel dazu zu verfassen. Voilá: „Jahreszeiten im Körper und warum wir einige verlernt haben„.
Passenderweise endete der Monat mit einem Workshop-Wochenende zum Thema „Somatisch-künstlerische Forschung und Dokumentation“. Es stellt sich heraus, Letzteres ist weit mehr als trockene Protokolle schreiben und staubige Bilder archivieren. Es darf kreativ und wild sein, Spaß machen und gar selbst zu Kunst werden!
Vor allem hilft das Dokumentieren jedoch beim Verdauen und Verstehen. Es gehört damit in eine Jahreszeit, die ich traditionell meide – den Herbst. Weil der Herbst aber auch erntet, geht mir bei seiner Umgehung Einiges flöten. Vom Winter und seiner Einladung zur Pause ganz zu schweigen. Den klammer ich im wirklichen wie im übertragenen Sinne seit Jahren aus und bin damit nicht alleine, wie meine Beschäftigung mit dem Thema ergab.
Mehr dazu und der Frage, ob man auf Reiseleitung irgendwann Pause machen kann im folgenden Rückblick inklusive Bilder von der Vietnamreise!
Du bist auch bekennender Frühlingstyp oder willst es werden? Am Sonntag, den 12. April, biete ich eine ganze Yoga-Einheit zum Thema „Frühlingserwachen“ an. Eine 90-minütige Embodied Yoga-Sequenz, bei dir wir ganz gezielt eine Qualität in unseren Körper einladen. Am 12. April sind das die Frühlingsgefühle. Infos und Buchung per Email an mich oder bei Fyndery (geht ohne Konto dort):
Jahreszeiten im Körper
Mein Müsli am Morgen, das Projekt auf der Arbeit und die Reise nach Vietnam: Alles findet in Zyklen statt – wie die vier europäischen Jahreszeiten. Es beginnt, es läuft, es hört auf und dann ist es vorbei. Das gilt nicht nur für das große Ganze von Geburt bis Tod. Es ist auch eine sehr simple Methapher dafür, wie wir Leben leben und wie wir Dinge tun. Die spannende Frage für jede:n von uns ist: Welche dieser Phasen leben wir wirklich und welche überspringen wir lieber?
Ich habe die meisten Winter seit 2011 im tropischen Südostasien verbracht. Diese Wintervermeidung scheint nicht nur eine äußere Vorliebe zu sein. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass ich auch das was Winter verkörpert, nämlich Einkehr, Pause und Regeneration, nicht wirklich suche. Ähnlich ist es mit den Qualitäten des Herbstes. In der realen Welt nehme ich davon gerne die Wochen mit dem bunten Laub mit, bevor ich Ende Oktober nach Thailand fliege. Die Qualitäten des Herbstes, ein abschließendes Betrachten und Integrieren, verkörpere ich oft nur oberflächlich.
Ist das schlimm? Bin ich mit meinem Frühlings- und Sommer-Faible alleine? Ja, kann sein und nein, bin ich nicht. Es ist ein gesellschaftliches Thema und wir zahlen alle einen Preis dafür: Vergötterung jugendlicher Leistungsfähigkeit, Burn out, das Missbilligen von Pausen und Rückzug und anderes mehr.
In meinem Blogartikel zum Thema schaue ich mir jede Jahreszeit als inneren Zustand an: Wie fühlt sie sich im Körper an? Welche Emotionen begleiten sie? Und warum feiert unsere Gesellschaft eigentlich so systematisch Frühling und Sommer, während Herbst und Winter ein Imageproblem haben? Und weil es um die Verkörperung der Jahreszeiten geht, gibt es am Ende vier kurze Übungen – eine für jede Jahreszeit.
Hinterlass mir gerne einen Kommentar mit deiner Einschätzung: „Jahreszeiten im Körper und warum wir einige verlernt haben„.

Lieblings-Embodiment-Praxis im März
„Tja, mein Projekt „Radical Embodiment“ scheint im März gar nicht stattgefunden zu haben“, war mein erster Gedanke, als es Zeit war für diesen Monatsrückblick. Schließlich geht es mir bei meinem eigenen Forschungsauftrag unter anderem darum, meine Tools konsequenter selbst zu nutzen, wenn es stressig wird, psychologisch klebrig oder zu emotional in Momenten, wo Emotion keinen Raum hat.
Die zentrale Erkenntnis des Monats: Je höher die Erlebnisdichte oder Belastung, desto mehr Autopilot und desto weniger Zugriff auf Ressourcen und Kreativität. Ziemlich logisch aus Perspektive des menschlichen Nervensystems.
Ein wichtiges Praxis-Element gab es dennoch auf der Strecke zwischen Hanoi und Saigon.
Yoga Nidra
Eine meiner zentralen Fragen auf dieser Reise und ich glaube eine der zentralen Fragen unserer Zeit: Wie kann ich mich nachhaltig erholen, ohne mich zu betäuben? Damit meine ich eine andere Form der Regeneration als auf Sofa oder Bett zu kollabieren und einen Social-Media, Serien- oder Kommunikations-Marathon zu starten. Denn dadurch bin ich zwar abgelenkt (was auch mal hilfreich sein kann), aber meist zugleich aufgedreht und aktiviert statt gestärkt, genährt und tiefenentspannt.
Ergänzungsfrage: Wie kann ich diese Erholungsphase oder Pause gestalten, ohne dass ich aktiv etwas machen muss? Wenn ich mich stark beansprucht fühle, will ich sicher keine Yoga-Matte ausrollen. Tatsächlich will ich mich eigentlich überhaupt nicht mehr groß bewegen.
Die Antwort darauf lautet „Yoga Nidra“. Direkt übersetzt bedeutet es, „Yoga des Schlafes„. Man baut sich dazu das gemütlichst mögliche Nest, legt sich hinein und lauscht einer angenehmen Stimme, die einen durch eine Art Meditation führt. Bestandteile der Praxis sind oft ein Körper-Scan, Atemfokus, Zählübungen und / oder der Wechsel von Bildern und das Halten von gegensätzlichen Empfindungen in der eigenen Vorstellung.
Die Qualität der angebotenen Yoga Nidra-Übungen variiert stark, je nach Schule und Ausbildung der Lehrenden. Ich nutze zurzeit verschiedene Aufnahmen auf Insight Timer (englisch) mit 15-20 Minuten Dauer. Tatsächlich habe ich selbst einmal ein längeres Yoga Nidra aufgenommen, das du auf meinem YouTube-Kanal anhören kannst: Yoga Nidra zum Lebenszyklus.
In den kurzen privaten Momenten, die ich während der Leitung einer Fernreise habe, hat sich die Praxis als echte Ressource entpuppt. Hinlegen, Aufnahme anschalten, wegdösen und wirklich aufgetankt wieder zu mir zurückkommen.
Was genau passiert dabei in Körper und Geist? Yoga Nidra führt uns in einen Zustand zwischen Wachen und Schlafen, in dem das Nervensystem tief regenerieren kann. Wissenschaftlich betrachtet versetzen wir uns damit in eine Art aktive Tiefenruhe, in der das Gehirn in Theta-Wellen gleitet, ähnlich wie im Traumschlaf. Für den Körper fühlt sich eine 20-minütige Yoga Nidra-Einheit wie mehrere Stunden erholsamer Schlaf an. Zumindest berichten das viele, die regelmäßig praktizieren, und meine eigene Erfahrung deckt sich damit.

Dokumentation
Schon vor vielen Jahren ist mir aufgefallen, dass ich mit all den Ausbildungen, Workshops und Retreats, die ich in den vergangenen 15 Jahren in Thailand, Bali, Indien und auch in Europa belegt habe, einen riesigen Schatz von Erfahrungen angesammelt habe. Doch wann wird dieses Wissen zu Weisheit? Und wie komme ich an die Schätze im Alltag ran?
Mein aktuelles Forschungsprojekt „Radical Embodiment“, an dem du durch deine Lektüre gerade teil hast, ist eine Antwort auf diese Frage. Im Workshop „Somatisch-künstlerische Forschung und Dokumentation“ im Rahmen meiner Weiterbildung zu „Environmental Somatics“ gab es Ende März noch weitere Anregungen.
Dokumentation kann so viele verschiedene Formen haben, wie Menschen kreative Ideen entwickeln:
- Alles Geschriebene von Tagebuch, über Blog bis Buch
- Somatisches / therapeutisches Schreiben (ohne Pause und Korrektur)
- Gedicht
- Zeichnung, gekritzelt oder gemalt
- Künstlerische Gestaltung mit beliebigen Materialien von Ton bis Upcycling
- Einzelne Bilder oder Fotoserien
- Tonaufnahme
- Videoaufnahme
- Körpermarker als Haltung, als Körperskulptur mit anderen, als innere Empfindung an ausgewählter Stelle
- Eine Kombination von allem aus der Liste
- und wahrscheinlich vieles mehr!
Der Fantasie sind wahrhaft keine Grenzen gesetzt, und es darf Spaß machen! Vor allem, wenn es kontinuierlich stattfindet, wird es automatisch auch Teil des eigentlichen Forschungsprojektes. Denn jeder Versuch der Dokumentation zwingt zur Reflektion und Integration (Herbst!) und informiert die weitere Arbeit und Erkundung.
Und warum nicht diese Impulse auch für die Erlebnisse des täglichen Lebens verwenden und öfter mal schreiben, malen oder die Eindrücke des Tages am Abend durch den Körper durchbewegen oder abschütteln? Ich bin auf jeden Fall inspiriert.



Environmental Somatics: Vorübergehende Blicke
Auch wenn meine Bilder des Monats einen anderen Eindruck geben, so war mein Kontakt zur Natur in den 3 Wochen in Vietnam tatsächlich reduziert im Vergleich zu den Wochen vorher. Gelandet bin ich Anfang des Monats in der 8-9 Millionen-Metropole Hanoi, die in dieser Jahreszeit chronisch unter Hochnebel und Smog leidet. Der Kontrast zu meinem Februar auf Bali hätte nicht größer sein können. Statt „Balisaftgrün“ gab es erstmal jede Menge „Hanoiquirliggrau“.
Zum anderen orientiert sich der Verlauf meiner Rundreise vor allem an den Städten und kulturellen Destinationen des Landes. (Falls dich der Reiseverlauf interessiert, findest du ihn hier bei WomenFairTravel.) Natürlich gab es trotzdem Ausflüge in die Natur, vor allem in die Kulturlandschaft des Landes. Und was die Bilder betrifft, habe ich anscheinend sowohl beim Fotografieren als auch bei der Auswahl eine Vorliebe für genau diese Motive…
Naturpraxis light
So richtig Auftanken in der Natur funktioniert für mich mit Gruppen nur so mittel. Aber es gab sie hin und wieder, diese Momente zwischen Ausschnitt und Ausblick: eine einzelne Pflanze, ein grandioser Berg oder ein großzügiger Weitblick.
Meist waren es flüchtige Blicke wie beim gemeinsamen Rundgang am Hoan Kiem-See in Hanoi oder beim Radeln über die Mango-Insel im Mekong-Delta. Saftige Mangos, fast reif an den Bäumen! Yumm! Qualität über Quantität (im Sinne von Zeit) war die Devise dieser Momente: Snapshot-artig hinschauen, lauschen und die Luft auf der Haut spüren.
Ich kann mich über meine Sinne zu ein paar Prozent mit der Umgebung verbinden, auch wenn gleichzeitig viele andere Impulse nach meiner Aufmerksamkeit rufen. Ein Prinzip, das Environmental Somatics für viele Übungen im städtischen Bereich aufgreift. Mini-Natur-Kontakt als Ressource für Situationen mit viel Input.
Die gütigen Augen der älteren Frauen
Bei unseren Frauenreisen sind wir oft im Gespräch mit den Frauen eines Landes. Bei dieser Rundreise durch Vietnam war es eine ganze Reihe von älteren Damen. Die Frau im Bild beispielsweise stellt seit 67 Jahren Reispapier an einer offenen Feuerstelle her. Behende hockt die 88-Jährige sich hin, springt wieder auf, bietet uns das frische Produkt an und lacht dabei, als säße ihr immer noch der Schalk im Nacken.
Nach allem was wir von der Geschichte des Landes wissen, sind wir verblüfft angesichts der sichtbaren Lebensfreude. Was ist ihr Geheimnis, haben wir sie gefragt. „Zufrieden sein mit dem, was ich habe“, war ihre Antwort. Eine Lebensweisheit, die sie wirklich verkörpert hat.
Die Geschichte repräsentiert einen wichtigen Teil der vietnamesischen Kultur für mich. Die Menschen schauen nach vorne. Ich nehme sie super quirlig wahr, geschäftstüchtig, definitiv unaufhaltsam im Aufbruch. Ein Land im Frühling, das mich sehr beschwingt auf meine weitere Reise geschickt hat.

Bilder des Monats: Vietnam






















Klassen, an denen ich im März teilgenommen habe
- 5 Rhythms – 1 mal online
- Dokumentations-Workshop an der Somatischen Akademie
Meine Angebote im März
2 einzelne Klassen Morning Groove – die letzte vom Bali-Zyklus und die erste aus Berlin.
Die kommenden Monate gibt es mein Online Morgenyoga durchgängig bis zur Sommerpause im August. Infos findest du auf meiner Seite zum Morning Groove.
Was ich im März 2026 gebloggt habe
Ausblick auf den April 2026
Mit dem April in Berlin kommt der Frühling in mein Leben und das nicht nur in der Natur. Jede Menge Neues erwartet mich und das freut mein Frühlingsherz!
Bei WomenFairTravel, meiner Berliner Reiseveranstalterin werde ich künftig für die neuen Reisen zuständig sein. (Hör mal! Das ist ja wohl der ideale Job für eine, die gern Neues erkundet, oder?) Und es gibt eine neue Wohnung. Räume vermessen, Bett und Sofa aussuchen, Umzug vorbereiten steht in den nächsten Wochen an. Viel mehr neu geht fast nicht.
Zur Stabilisierung werde ich jede Menge Yoga unterrichten. Die aktuellen Angebote findest du in meinem Newsletter und auf meiner Seite bei Fyndery.

