„Radical Embodiment“ ist mein Motto für 2026. Soll heißen, dass ich im Alltag bewusster auf meinen reichen Erfahrungsschatz aus dem weiten Feld, das ich „Embodiment als Praxis“ nenne, zugreifen will. Das kann in den verschiedensten Situationen sein, wo es irgendwo klemmt, klebt oder unangenehm ist, aber auch die Momente unterstützen und tiefer auskosten, wo sich zarte Freude meldet oder Dankbarkeit.

Wie ist das gelaufen und wie habe ich es geteilt? Denn außer dem selbst mehr „Spüren – Erleben – Sein“ wollte ich auch mehr Impulse nach außen geben. Wie ging es damit bisher? In diesem Monatsrückblick ergänze ich meine Notizen und Bilder zum Juli um eine größere Rückschau, eine Halbjahresbilanz zu Radical Embodiment.

Der Juli selbst war geprägt von viel wunderbarem Besuch in der Hauptstadt, Zeit an und in den Seen Berlins und Elektrogrillen auf dem Balkon! Sommer pur im Außen und auch im Innen mit mehreren Deadlines in Weiterbildung und Brotjob. Die Bilder kommen vor allem aus Kreuzberg und Treptow-Köpenick.

Lieblings-Embodiment-Praxis im Juli: Innehalten und Spüren

„Spüren – Erleben – Sein“ war eine zeitlang die Tagline für mein Unternehmen „Reisen ins Hier“. Denn das ist der wirksame Drei-Schritt für mich: aus dem Denken ins Spüren kommen, dabei tatsächlich erleben, was gerade alles da ist und dadurch ganz Sein im berühmten Hier & Jetzt.

Als sich meine Ausbildung zum Embodiment Coach im Juli zu ihrem Ende neigte, hat diese super einfache „Übung“ (einfach, aber nicht leicht!) nochmal ihre volle Wirkung entfaltet. Sie kostet wirklich nichts, im Grunde nicht mal Zeit. Für ein paar Atemzüge, ein paar Momente innezuhalten und wahrzunehmen, was gerade alles los ist – in mir und um mich herum. Im Hinspüren komme ich bei mir an, fülle meinen Körper wieder ganz aus und lande dadurch in meiner tatsächlichen Umgebung.

Das ist ein Schritt mehr als bloße Achtsamkeit. Achtsames Wahrnehmen ist der Start, aber dann folgt Erleben statt nur Wahrnehmen oder Beobachten. Es ist ein kleiner, aber bedeutsamer Unterschied, denn Achtsamkeit kann sehr distanziert bleiben und birgt für mich persönlich oft die Gefahr, in Vergleich oder Bewertung abzurutschen.

Manchmal bleibt es auch bei der reinen Wahrnehmung. Aber wenn ich mich darauf einlasse und tiefer reinspüre, löst sich manches Unbehagen schon von selbst auf. Der Körper macht automatisch Bewegungs- und Haltungsänderungen, die in der Situation stimmiger sind. Und wenn eine Portion Freude oder Dankbarkeit durchschwingt – na, dann erst recht: volles (mit-) Erleben und Sein! Köstliche Momente, die ich nicht missen möchte. Die Kulisse dazu im Juli war unter anderem der Müggelsee:

Halbjahresbilanz 2026

Im Blogbeitrag zum Jahresmotto Radical Embodiment gibt es praktischerweise gleich eine Liste, in der ich im Januar aufgeschrieben habe, wie ich das Ganze mit Leben füllen möchte.

1. Den Reichtum erforschen, mit Techniken spielen

Yes! It worked! Der Vorrat ist groß und die Ideen sind bunt. Was mich aber am meisten freut, ist dass ich den geahnten Reichtum der Embodiment-Praxis durch den selbst gesetzten Fokus richtig greifen und erleben konnte. Von Centring und Füße spüren über Atmen, Seufzen und in der Dusche tönen bis hin zu Improvisationstheater-Moves in der Küche, „Kopf hoch!“ auf der Straße und Yoga Nidra auf dem Sofa war jede Menge Alltagstaugliches dabei.

Nicht alles davon steht in einem Lehrbuch. Tatsächlich ist Vieles im Moment entstanden, inspiriert aus meiner Erfahrung, aber manchmal auch von den Klassen, die ich im entsprechenden Monat selbst besucht habe. Ich liste sie zusammen mit der Lieblingspraxis in den monatlichen Rückblicken liste.

Schwungvoller Frühlingsspaziergang im Südgelände. Bild: Corinne

Überraschenderweise habe ich bisher wenig mit der Idee einer Haltung für den Tag gearbeitet. Das könnte ich in der 2. Jahreshälfte nochmal aufgreifen. Auch die Erforschung der Wechselwirkung zwischen Umgebung und Embodiment ist mir nur in Ausschnitten gelungen. Für diese Art Arbeit braucht es ein systematischeres Herangehen. Oder größere Kontraste!

Im Wechsel von Bali nach Vietnam beispielsweise konnte ich die Unterschiede deutlicher benennen als beim Umzug von Berlin-Schöneberg nach Kreuzberg. Obwohl sie auch dort spürbar sind. Hier bringt vielleicht der August wieder mehr, denn ich darf nach Chile reisen! Mehr dazu im Ausblick am Ende.

2. Embodiment greifbar, anfassbar, erlebbar machen

Ich hatte mir im Januar vorgenommen, konkrete Übungen zu teilen, um mehr vom Embodiment-Reichtum unter die Leute zu bringen. Das ist auf ganz andere Weise geschehen, als ich es mir zum Zeitpunkt des Schreibens vorgestellt hatte.

Zwar habe ich den geplanten monatlichen Rückblick immer eingehalten, wenn auch manchmal spät und unter gefühlten Überlastungsschmerzen (Atmen und Füße spüren hilft!). Einen Überblick dazu findest du in der Kategorie Rückblick auf diesem Blog. Aber es gab seit dem Embodiment Adventskalender keine neuen Videos, Audios und Texte mehr. Das Training zur Embodiment Coachin hat mich ab Februar einfach zu sehr in Beschlag genommen.

Stattdessen habe ich im Rahmen des Trainings rund 30 Einzelcoachings gegeben und das gebündelte Embodiment-Wissen auf diesem Weg an einzelne Frauen weitergegeben. Es hat mir sehr viel Freude bereitet und deswegen wird es nach der Sommerpause auch weitergehen mit den Einzelangeboten. Falls du wissen willst, um was es dabei geht, schau in meinem Blogbeitrag zu Was ist Embodiment Coaching ist und wie funktioniert es?

3. Mehr HIER sein, im Körper sein

Radikaleres Management meiner Aufmerksamkeit stand als dritter Punkt auf der Liste von „wie ich mein Motto mit Leben fülle“. Tja, was soll ich sagen? Social Media ist und bleibt der Endgegner, auch wenn ich außer YouTube keinen Dienst mehr auf dem Telefon installiert habe. Aber man kann auch am Laptop seine Zeit damit verschwenden.

Von meinen individuellen Nutzungsgewohnheiten abgesehen, beschäftigt es mich zunehmend, wie wir auch als Gesellschaft unsere Aufmerksamkeitshoheit zurückgewinnen können. Inspirierend finde ich dazu das Buch „How to do nothing – Resisting the Attention Economy“ von Jenny Odell.

All das ist work in progress und wird Teil meiner Abschlusspräsentation in meine Fortbildung zu Environmental Somatics: „Reclaiming agency & attention in an increasingly fragmented world – somatic explorations at Maybachufer market“ am 2. Oktober. Erste Infos gibt es auf der Website der Somatischen Akademie.

In Berlin stellen auch andere Fragen dieser Art, wie ich immer wieder bei meinen Streifzügen in Kreuzberg feststelle:

Embodiment ganz privat: Meine 5 Wunsch-Aktivitäten für 2026

Am Januar melden sie sich alle im Fitness-Studio an und gehen dann genau 2x hin. So ähnlich ist es auch mit der anderen Liste, die ich zusammen mit dem Motto-Artikel geschrieben hatte. Es ging darum, was ich alles mit meiner Körperin sonst noch vorhabe im kommenden Jahr. Das Wort Spaß steht gleich im ersten Absatz von „Embodiment ganz privat: Meine 5 Wunsch-Aktivitäten für 2026″.

Überraschenderweise hat allerdings auch mein Tag nur 24 Stunden und mit einem Halbtagsjob und zwei Weiterbildungen gleichzeitig bleibt doch erstaunlich wenig Zeit für weitere Hobbies, wenn man auch noch Essen, Schlafen und dumpf in die Röhre gucken möchte. *ironieaus

  1. Ich wollte wieder anfangen zu klettern. Der öffentlich gefasste Vorsatz hat mich tatsächlich letzte Woche in die nächstgelegenee Boulder-Halle für eine Vorinspektion getrieben. Die weitere Recherche hat ergeben: Es ist vorstellbar und praktikabel und kann nach meinem reisefreudigen August konkret werden. Mal sehen.
  2. Meine Reise mit Contact Improvisation (CI) wollte ich vertiefen. Was CI betrifft, habe ich mich bewusst anders entschieden. Im Rahmen der Ausbildung zum Embodiment Coach sollte jede:r von uns eine dauerhafte Praxis auswählen, die eine bestimmte Qualität im Körper fördert und das entsprechende Embodiment dadurch stärkt. CI fördert für mich das Weiche, Sanfte, Fließende, und mein Gefühl war: Im Moment brauche ich etwas anderes. Und so wurde daraus die Vertiefung einer anderen alten Freude – Improvisationstheater! Hurray! *reißtbeidearmehoch
  3. Eine Yoga-Heimat in Berlin suche ich immer noch, bzw. habe ich zusammen mit den Kletterhallen in den vergangenen beiden Wochen recherchiert. Realistisch ist ein Jivamukti-Studio um die Ecke. Plan ist, bereits nächste Woche dort vorbeizuschauen und zu testen, ob das die gewünschte Heimat werden kann. Yes!
  4. Mehr Tanzen für die Lebensfreude muss ganz dringend ins Programm, hat aber seit Bali im Februar leider gar nicht mehr stattgefunden. Aber darum sorge ich mich nicht, seit ich eine Küche mein ganz eigen nenne und zur Musik meiner Wahl an der Spülmaschine vorbeiwirbeln kann.
  5. Nummer 5 war neue Orte mit Environmental Somatics zu erforschen. Das habe ich wochenweise super-intensiv gemacht. Vor allem nach dem Umzug nach Kreuzberg waren die angrenzenden Kieze nicht vor mir sicher. Sehr freudvoll, sehr bereichernd und sehr inspirierend. Trägt definitiv dazu bei, schnell anzukommen. To be continued!
Rote Eingangstür in Kreuzberg mit gemalten Tänzerinnen.
Haustor mit tanzenden Frauen in Kreuzberg.

Also: What say you?

„Life is what happens to you while you’re busy making other plans“ hat John Lennon 1980 in dem Song „Beautiful Boy“ getextet. Das stimmt für eine ganze Reihe meiner Vorsätze, vor allem, was die ambitionierten Hobbies betrifft. Aber insgesamt fühlt sich meine Erfüllungsquote nicht so schlecht an. Und: das zweite Halbjahr ist noch jung!

Das nehme ich mir für die restlichen Monate in 2026 vor:

  • Weitermachen mit Embodiment Coaching, aber auch
  • Texte, Videos und Audios mit Tipps für alle in meinem Newsletter produzieren
  • Klettern, Yogieren und Tanzen in Berlin und
  • mit großere Freude weiter meine neue Heimat somatisch erkunden

Wie sieht deine Bilanz aus? Schreib mir gerne oder kommentiere unten, was von deinen Vorsätzen für 2026 noch steht und was du sein lassen musstest.

Bilder des Monats: Berlin only, Teil 2

Klassen, an denen ich im Juli teilgenommen habe

  • 4x Improvisationstheater
  • 1x Somatisches Theater: Zwischen Schwerkraft und Balance
  • 1x Feldenkrais-Minis
  • Wie immer Online-Yoga

Meine Angebote im Juli

  • Abschluss der Frühlings-/ Sommer-Serie Berlin Morning Groove – weiter geht’s ab dem 14.9.
  • Jede Menge Embodiment Coaching Online

Was ich im Juli 2026 gebloggt habe

Ausblick auf den August 2026

Nach mehr als zwei Monaten in derselben Stadt, ja gar im selben Haus und im selben Bett geht es im August wieder auf Reisen. Ich freue mich auf meine jährliche Yogawoche am Großen Lychensee in Brandenburg, die mit 12 Teilnehmerinnen voll ausgebucht ist. Organisiert wird diese Reise von der Berliner Reiseveranstalterin WomenFairTravel, für die ich auch im Büro bei der Entwicklung neuer Reisen unterstütze.

In dieser Funktion – als Produktmanagerin – fliege ich im Anschluss auf Einladung des lokalen Tourismboard nach Chile, um die Route für eine mögliche Frauenreise dorthin auszukundschaften. Ein absoluter Traumjob! Jedenfalls denke ich das jetzt. Den Bericht dazu gibt es im nächsten Monatsrückblick!

Sonnenuntergang am Landwehrkanal im "Dreiländereck".
Sonnenuntergang am Landwehrkanal im „Dreiländereck“ von Berlin.
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