Als Praxis ist Embodiment sehr anwendungsorientiert. Das heißt, es geht nicht nur um die Erfahrung des Körpers von innen her wie bei einigen somatischen Methoden. Es geht immer auch um die konkrete Wechselwirkung von innerem Erleben und äußerem Ausdruck. Das macht die Embodiment-Praxis so interessant für Felder wie Performance, Coaching oder Therapie.
Embodiment bedeutet in diesem Zusammenhang, Körper und Geist aktiv miteinander zu verbinden und durch bewusste Körperhaltungen, Bewegungen und Atemmuster Gefühle, Gedanken und innere Zustände zu beeinflussen. Mehr Details findest du in meinem Artikel „Was ist Embodiment?“.
In diesem Beitrag habe ich meine fünf besten Tipps zusammengestellt, die dir als Einsteiger:in helfen, die Grundprinzipien von Embodiment zu verstehen und direkt im Alltag anzuwenden.
Tipp 1: Verstehe den Unterschied zu Achtsamkeit
Bei Achtsamkeit geht es vor allem darum, etwas wahrzunehmen, ohne es zu bewerten. Durch das neutrale Beobachten und direkte Spüren der Achtsamkeit lernst du dich besser kennen und kannst Akzeptanz üben. Es ist eine besondere Qualität von Aufmerksamkeit und eine Form von Zuwendung zu dir selbst.
Embodiment als Praxis nutzt diese Qualität und geht einen Schritt weiter in die aktive Veränderung. Mit Embodiment kannst du durch Haltung, Bewegung oder Atem bewusst deine Anspannung und Wachheit regulieren oder deine Emotionen und deine innere Einstellung, also deine innere Haltung beeinflussen.
Achtsamkeit hilft dir beispielsweise, Nervosität, Anspannungsgrad oder emotionale Färbung konkret zu bemerken. Embodiment kannst du nutzen, um deinen „Zustand“, also dein Befinden, deine Verfassung, deine Stimmung zu verändern.
Tipp 2: Nutze Embodiment im Alltag
Wenn du die Wirksamkeit von Embodiment erleben willst, dann hilft nur Machen. Auch wenn es gelegentlich anders verkauft wird – auch in dieser Praxis gibt es keinen Shortcut und keine Quickfixes. Auch Embodiment ist und bleibt eine Praxis, wenn du etwas damit erreichen möchtest.
Die gute Nachricht: Du brauchst keinen ruhigen Raum, keine Yogamatte und keine spezielle Kleidung. Das heißt nichts anderes, als Embodiment-Praxis geht im Grunde immer! Du musst keine extra Zeit dafür einplanen. Kurze Übungen oder einfache Haltungsänderungen beim Warten, Pendeln, Kochen oder in Pausen wirken bereits. Vielleicht eine gute Alternative zum Griff nach dem Smartphone, wenn gerade mal „Leerlauf“ ist?
Der Schlüssel zum Veränderungspotenzial von Embodiment ist, dass du bewusst deinen Körper einsetzt, egal wo du bist.
Tipp 3: Bereite dich mental vor
Dieser Tipp klingt vielleicht nach einem Riesenakt. Gemeint ist damit aber wirklich nur ein kurzer Checkin mit dir selbst:
- „Wie geht es mir?“
- „Was spüre ich im Körper?“
- „Welche Emotionen und Gedanken sind gerade zu Besuch?“
Ein Moment ungeteilter Selbstwahrnehmung bringt dich zurück in den Körper und bereitet dich ideal vor für die Verkörperung (aka das Embodiment) von etwas anderem.
Die Frage „Um was geht es mir konkret? Was will ich beeinflussen?“ hilft dir dann, deine nächsten Schritte so bewusst wie möglich auszuführen. Eine kleine mentale Fokussierung, die die Wirkung deiner Embodiment-Übung deutlich verstärken kann. Denn echte Verkörperung funktioniert nur, wenn wir ganz „bei der Sache“ sind.
Tipp 4: Experimentiere mit deinem Körper
Zum Glück ist jeder Mensch anders. Nicht nur das: Es gibt so etwas wie Tagesform, Bio-Rhythmus und insbesondere für Frauen noch ganz andere Zyklen, die das eigene Befinden beeinflussen.
Ganz klar ist deswegen, dass nicht jede Übung bei allen zu jeder Zeit gleich wirkt. Probiere deshalb immer verschiedene Haltungen, Atemmuster oder kleine Bewegungen aus. Experimentiere und beobachte, wie sie auf dich wirken.
Dein Körper und dein ganzes Sein sind einzigartig. Dein Embodiment ist ganz individuell und so ist auch Embodiment als Praxis individuell. Es ist ein Forschungsfeld, keine Methode mit klar definierten Haltungen und Bewegungsabläufen wie etwa Yoga. Geh auf Entdeckungsreise und finde heraus, was für dich funktioniert. Du kannst dabei nichts falsch machen.
Tipp 5: Reflektiere, was wirkt
So wie der Checkin vor der Praxis dich vorbereitet, nutze einen kurzen Checkin nach der Praxis für eine kleine Auswertung. Spüre das Echo der Übung oder der veränderten Bewegung und Haltung. Lass es einen Moment nachklingen. Nimm eine mentale Notiz.
Wenn du Zeit hast, schreibe auf, exakt welche Körperhaltungen, Atemübungen oder Bewegungen dir helfen, dich sicherer, entspannter oder energiegeladener zu fühlen – je nachdem was dein Ziel war. Der Reflektionsprozess erhöht dein Bewusstsein für die konkrete Wechselwirkung zwischen Körper und Geist und erleichtert dir die gezielte Nutzung von Embodiment.
Bonus: Verankere, was besonders gut für dich funktioniert, direkt im Körper. Mach dazu einen gefühlten Schnappschuss und merke dir die Körperregion, in der du den stärksten Impact wahrgenommen hast.
Fazit:
Die Praxis von Embodiment ist einfach, flexibel und wirkungsvoll. Mit diesen fünf Tipps kannst du als Anfängerin direkt starten, die Verbindung von Körper und Geist deutlicher zu spüren und damit zu spielen. Die besten Effekte erzielst du, wenn du regelmäßig kleine Momente in deinen Alltag einbaust und bewusst ausprobierst, was für dich funktioniert.
Wenn du Embodiment in einem kleinen, unkomplizierten Format kennenlernen willst, mach gerne mit bei meinem Adventskalender. Ab dem 1.12. sende ich dir jeden zweiten Tag kurze Bewegungsimpulse via Email, die als perfekter Start in den Tag dienen können, sich aber auch gut in den Alltag integrieren lassen.
Weitere Infos und Anmeldung findest du auf der Seite des Embodiment-Adventskalenders.
