Ich habe einen Mietvertrag unterschrieben. Es ist der erste, seit ich im Januar 2011 Mainz verlassen und für fast ein Jahrzehnt Deutschland gegen Südostasien eingetauscht habe. Er beendet einen Lebensabschnitt des Überall-Zuhause-Seins und läutet den Versuch größerer Sesshaftigkeit ein. Ob diese neue Phase wirklich so ruhig wird wie erwartet und wie lange sie dauert, weiß Göttin allein.
Für mein Jahresmotto „Radical Embodiment“ bedeutete die komplette Neuausstattung einer Wohnung – vom Bett bis zum Handtuch, vom Mülleimer bis zur Waschmaschine – vor allem eins: Der Deep Dive ins Centring, eine Sammlung von Embodiment-Techniken zur Nervenberuhigung, die mir schon viele Jahre lieb sind, im quirligen Umzugstornado aber neue Brisanz gewonnen haben.
Der Monatsrückblick kommt ansonsten wieder mit jeder Menge Bildern und ein paar Zahlen zum Abschluss.
Lieblings-Embodiment-Praxis im April
Ich mag das Wort „Selbstregulation“ nicht wirklich. Es klingt zum einen sehr technisch-mechanisch und blickt zum anderen auf das Selbst und den Körper wie auf ein Objekt. Ein bisschen ist das natürlich mit jedem Werkzeug so, das wir auf uns selbst anwenden. Dennoch entscheide ich mich in meiner Arbeit für das englische „Centring“ als Begriff für alles, was mit Nerven beruhigen und „zurück in die Mitte kommen“ zu tun hat. Es hat für mich einen wärmeren Klang.
Centring
Ich glaube, jede:r von uns hat so ihre / seine Techniken, um „sich wieder auf Spur“ zu bringen. Sie funktionieren allerdings unterschiedlich gut und selten haben wir uns bewusst für eine entschieden oder sie gar geübt. Zur einigermaßen regelmäßigen Körper-Erinnerung baue ich eine einfache Variante immer wieder in meine Yoga-Praxis ein. Sie geht etwa so:
Länger ausatmen, und das vielleicht mit Geräusch ist eine weitere einfache Methode, um die unmittelbare Stress-Reaktion etwas abzumildern. Doch nicht alles wirkt für alle in allen Situationen. Das Beste ist daher, sich eine oder mehrere Lieblingsvarianten auszusuchen und die für eine Zeit gezielt zu trainieren, damit sie im Notfall mehr oder weniger automatisch ablaufen. Im Blog-Artikel „Meine besten Tipps zum Runterkommen im Alltag“ habe ich ein paar Varianten zusammengestellt.
Füße spüren
Meine Nummer 1 – auch auf der Liste die erste Technik – ist ganz klar „Füße spüren“. In den vergangenen Wochen wurde es zu einer Kombination aus langsam gehen, dabei bewusst die Füße aufsetzen, Bodenstruktur spüren, die Körperhaltung aufrecht, der Blick zur Horizontlinie. Also nicht der gesenkte Kopf mit Tunnelblick, der eine typische Stress-Verkörperung ist (Verkörperung = Embodiment). Es gilt wieder mal die Formel: Neues Embodiment – neues Glück!
Im April hat mir diese Technik auf vielen Wegen geholfen: In der Möbelausstellung von Höffner, als sich mein Geist zwischen 25 für mich ununterscheidbaren Tonnentaschenfederkernmatratzen gerne abschalten wollte, bei jedem Gang vom 5. Stock Altbau ohne Fahrstuhl nach unten zum Fahrzeug, und auf dem Weg ins Büro, wo ja auch noch Dinge erledigt werden wollten. Das Geniale daran: Bewusstes Gehen kostet keine extra Zeit! Denn die war rar in den vergangenen Wochen.
Was mir in der Zeit auch nochmal ganz deutlich geworden ist: Man muss es wirklich wollen! Abgelenktes Rumgetappse und ein halbherziger Schnaufer beruhigt auch die Nerven nur halbherzig. Soviel Aufmerksamkeit wie geht und eine feste Absicht, den aktuellen Zustand auch wirklich aufgeben zu wollen, sind die beiden wichtigsten Zutaten für erfolgreiches Centring. Mehr dazu demnächst in einem eigenen Blog zum Thema.
Environmental Somatics: Kulturdiskrepanzen
Im Rahmen meiner Abschlussarbeit für Environmental Somatics im Oktober dieses Jahr würde ich am liebsten mit dem Kontrast zwischen verschiedenen Ländern und der entsprechenden Wirkung auf unser Embodiment arbeiten. Wie bin ich in Italien? Wer bin ich in Bali und wie lande ich in Marokko? Eine schöne Idee, die natürlich schon rein logistisch nicht geht, habe ich im Gespräch mit meiner Ausbilderin bedauert.
„Oh, das kannst du auch in Berlin haben“, hat sie ganz trocken entgegnet. „Wir haben viele Orte in der Stadt, wo wir direkt nebeneinander solche Kulturdiskrepanzen finden.“ Da war es, mein Wort des Monats und eine hübsche Zusammenfassung für die Umstellung, die mein Umzug von Schöneberg nach Kreuzberg mit sich bringt.
Jeder Kiez mit eigenem Vibe
Jeder Stadtteil, manchmal jeder Kiez (ein Viertel in einem Stadtteil) hat in Berlin seinen eigenen Rhythmus, seinen eigenen Vibe. Schöneberg gibt sich an vielen Stellen alteingesessen, gemütlich, aufgeräumt. Kreuzberg tanzt zu einem anderen Beat: Techno aus dem nächsten Späti (begehbares Kneipenkiosk, das bis spät auf hat), das Tatütata von Feuerwehr, Notarzt und Polizei und die Demos zum 1. Mai direkt vor der Tür sind der Sound-Track des berühmt-berüchtigten SO 36, das nun meine Heimat sein darf. Contact High inklusive.
„Was ist dein Wort für Berlin?“ habe ich meine Freundin aus Zürich gefragt, als sie diesen Monat zu Besuch war. „Diversität“ war ihre Antwort, ganz passend zu meiner „Kulturdiskrepanz“. Berlin ist bunt und abwechslungsreich, manchmal bieder, manchmal schrill, aber definitiv Multikulti, wie man vor ein paar Jahrzehnten noch sagte. Ihr hat übrigens Schöneberg am besten gefallen.



Eindrucksfeldzüge mit Kirschblütenaroma
Ich spüre mich auf meinen Eindrucksfeldzügen noch durch die neue Umgebung hindurch und sammle viele neue Lieblingsorte. Großer Bonus: Berlin ist nicht nur bunt, sondern vor allem richtig grün. Das lässt mich immer wieder aufatmen, wenn die Eindrücke und Impulse der Stadt gar zu bunt und gar zu viele werden. Der Blütenrausch des Frühlings verzaubert dabei selbst die garstigsten Ecken.
Wusstest du, dass Berlin eine der größten Sammlungen von blühenden Kirschbäumen in Deutschland hat? Grund sind die tausenden Bäume, die nach dem Mauerfall als Friedensgruß aus Japan gespendet wurden. Sie verschönern seither vor allem die begrünten Schneisen entlang der ehemaligen Mauer und des einstigen Todesstreifens. Eine dieser Stellen ist wenige Gehminuten von meinem neuen Zuhause entfernt und stimmt mich nun mehrfach die Woche sehr friedlich.


Bilder des Monats: Berlin


















Klassen, an denen ich im April teilgenommen habe
- 3x Improvisationstheater
- 1x Somatisches Theater
- 3x Feldenkrais-Minis Online
- Bissel Online-Yoga
Meine Angebote im April
- Berlin Morning Groove, Mo & Fr 7:30 – 8:00 Uhr ongoing! Buchung über meine Seite bei Fyndery.
- Sunday Morning Flow „Frühlingserwachen“
Was ich im April 2026 gebloggt habe
- Monatsrückblick „März 2026 in Vietnam: Sommer ohne Pause„
- Jahreszeiten im Körper und warum wir einige verlernt haben
Ausblick auf den Mai 2026
Im Mai steht Teil 2 des Umzugs an – mal sehen, was im Keller meines Elternhauses seit Dezember 2010 auf mich wartet.
Außerdem nehme ich an der nächsten Ausbildungswoche mit Environmental Somatics auf Rügen teil. Nach den Bergen in der Schweiz lassen wir jetzt das Meer in Form der Ostsee auf uns wirken. Ich freue mich sehr.
Und es gibt erstmalig und einmalig die Gelegenheit, kostenlos Embodiment Coaching in meinen 1-zu-1-Sessions auszuprobieren. Wenn du schon immer mal wissen wolltest, wie dein Körper, bzw. deine Verkörperung von etwas bei deinen Alltagsfragen hilft, bist du mir noch bis Ende Juli herzlich willkommen! Ein paar letzte Termine kannst du noch auf meiner Seite bei Fyndery buchen. Eventuell kommen im Lauf der Wochen noch ein paar neue dazu.

